Warum
glauben wir, daß noch eine neue Partei nötig ist?
Die
Montagsdemos nähern sich ihrem Ende, ohne wirklich etwas erreicht zu haben. Alle
bisherigen Protestaktionen haben die regierenden Politiker wenig beeindruckt.
Hartz IV war nicht zu verhindern und das Alg II wurde eingeführt.
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Diese
Feststellungen sind bei uns nicht der Anfang von Resignation sondern der Beginn
der Erkenntnis, der Widerstand braucht neue Ideen und Formen. Die alten Rituale
der außerparlamentarischen Opposition der alten Bundesrepublik sind nicht mehr
zeitgemäß.
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Wahrscheinlich
war der Leidensdruck bisher noch nicht großgenug. Das scheint sich jetzt aber
zu ändern. Überall bilden sich zur Zeit Initiativen, neue Parteien und
Bürgervereine, die als Alternative zu Wahlen antreten wollen bzw. schon
angetreten sind.
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Viele,
besonders unter der außerparlamentarischen Opposition, stellen die vorhandene
parlamentarische Demokratie an sich in Frage. Das wollen wir ausdrücklich
nicht. Wir meinen, bevor man versucht das ganze System zu ändern - was zur Zeit
völlig unrealistisch ist - sollte man erst einmal die Möglichkeiten nutzen die
das vorhandene System bietet. Wir glauben, daß wir ein gutes Wahlsystem haben,
das geeignet ist, dem Willen aller Bürger Ausdruck zu geben. Daran ändert auch
der Hinweis auf die geringe Wahlbeteiligung nichts. Wenn mündige Bürger
auf ihr Wahlrecht verzichten, ist das ein Versagen der Bürger und nicht ein
Versagen des demokratischen Wahlsystems. Wenn Bürger meinen, die vorh.
Kandidaten und Parteien vertreten alle nicht ihre Interessen und darum wählen
sie die alle nicht, so ist dies keine ausreichende Entschuldigung. Die Politiker rechnen offenbar fest damit, daß sich die
Arbeitslosen alle in den Bereich der Nichtwähler verabschieden und ihnen damit
keine Probleme mehr machen. Statt zu jammern und zu klagen hilft nur
Selbstinitiative.
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Gerade für Arbeitslose
(damit sind auch alle Geringverdiener, Minijobber, Leiharbeiter,
Ich-AG`s gemeint) ist die Teilnahme an
Wahlen deshalb so besonders wichtig, weil sie nur ein Mittel haben ihre
Interessen zur Geltung zu bringen. Dieses Mittel ist ihre Wahlstimme. Sie können
zur Durchsetzung ihrer Interessen nicht streiken wie die Arbeitsplatzbesitzer
oder Dienst nach Vorschrift machen wie die Beamten. Sie können demonstrieren.
Aber daß Demonstrationen nichts nützen haben wir gerade gemerkt. Nur
Wahlergebnisse können nicht ignoriert werden. Durch Wahlergebnisse können sich
die Arbeitslosen Gehör und Einfluß verschaffen. Genug sind es ja inzwischen. Das notwendige Wählerpotential ist
vorhanden und wird mit Einführung des Alg II im Rahmen von Harz IV noch
anwachsen. Die Zeit ist optimal. Zur Landtagswahl 2006 in Berlin müssen die
Arbeitslosen und alle sozial Schwachen mit einer eigenen Interessenvertretung
zur Wahl antreten. Wir wollen nicht mehr
Anhängsel von Gewerkschaften oder Bittsteller bei vorh. Parteien, sondern
gleichberechtigter Gegenüber auf gleicher Augenhöhe sein.
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Dabei ist es nicht Ziel auf Dauer eine neue Partei zu etablieren,
sondern mit der Durchsetzung von Reformen die Arbeitslosen Partei nach einigen
Legislaturperioden überflüssig zu machen. Wir denken auch, dass allein die
Tatsache, dass eine neue Opposition ernsthaft versucht die jetzigen
Abgeordneten ( darunter viele Gewerkschaftsfunktionäre ) aus den Parlamenten zu
verdrängen, diese zum handeln zwingt. Wenn es uns gelingt, dass durch die
Popularität unserer Forderungen ein entsprechendes Wählerpotential vermutet
werden kann werden die vorh. Parteien (und Gewerkschaften) unsere Forderungen
aufnehmen.
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Was
unterscheidet uns von den anderen, neuen, alternativen Parteien und
Initiativen?
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Wir gehen
davon aus, daß es in der Gesellschaft unterschiedliche Interessen gibt. Die
Regierung ist gewählt. Die Politik der SPD und CDU wird von Millionen Bürgern
unterstützt.
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Es haben
nicht alle was gegen Hartz. Die Betroffenen müssen deshalb selbst aktiv werden
und dürfen nicht länger auf die Solidarität der anderen hoffen.
Deshalb
sind für eine Opposition auch alle Ansätze nach dem Motto "wir für das
Volk gegen die Politiker" falsch. Damit will man zuviel. Wenn man sich an
alle wendet wird man keinen erreichen.
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Wir
wenden uns ganz ausdrücklich an die Arbeitslosen und wollen für deren
Interessen eintreten. Notfalls auch gegen die Interessen der anderen. Dabei geht es nicht darum die Gesellschaft
zu spalten, sondern zu erkennen, daß die Gesellschaft gespalten ist.
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Man kann
Änderungen auch dadurch verhindern, daß man ständig unerfüllbare Forderungen
stellt.
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Arbeitszeitverkürzung
bei vollem Lohnaugleich ist so nicht realisierbar. Zumindest braucht es die
Einschränkung, Lohnausgleich für die unteren Lohn- und Gehaltsgruppen. Warum
soll es für einen sehr gut verdienenden Angestellten unzumutbar sein für
weniger Arbeit auch weniger Geld zu bekommen, wenn Akademikern zugemutet wird
für 1 Euro/h voll zu arbeiten. Wenn nicht nur Arbeitslosen sondern auch jungen Absolventen
unter dem Begriff "Praktikum" sogar zugemutet wird ganz ohne
Bezahlung zu arbeiten. Der Lohn ist, daß man darf.
Auch das
Konzept der "Wahlalternative" halten wir für nicht erfolgreich. Das
ist die alte Politik der Gewerkschaften und der linken SPD. Und die können
nicht behaupten, daß sie an der heutigen Situation unschuldig sind.
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Arbeitslose
die immer noch auf die Solidarität der Arbeitsplatzbesitzer hoffen sollten mal
ganz ehrlich in sich gehen. Wenn sie einen guten Arbeitsplatz mit einem guten
Gehalt hätten würden sie sich auch nicht für die Arbeitslosen interessieren.
Viele Arbeitslose haben vor einigen Jahren vielleicht selbst noch gedacht, daß
die Arbeitslosen nur nicht genug Einsatz zeigen. Die
Leute werden erst aufmerksam wenn sie selbst betroffen sind. Vielleicht
erkennen später die, die heute beim Kampf um ihren sicheren Arbeitsplatz
vergessen, daß ihre Kinder auch noch einen Arbeitsplatz brauchen, daß wir nicht
gegen sie sondern auch für ihre Kinder kämpfen.
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Bei den Gewerkschaften gibt es seit Anfang der 80er Jahre
Erwerbsloseninitiativen. Die Arbeitslosen in diesen Initiativen müssen sich
doch mal fragen, warum sie so erfolglos sind. Vielleicht weil sie als Anhängsel
bei den Gewerkschaften von diesen kontrolliert und neutralisiert werden. Weil
durch diese Abhängigkeit verhindert wird, das die Arbeitslosen wirklich im
Eigeninteresse aktiv werden.
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Die Gewerkschaften fordern verbal, dass die Spaltung von
Arbeitslosen und Beschäftigten überwunden werden muss für einen gemeinsamen
Kampf um ihre Rechte. Denn nur zusammen können sie dem Angriff des Kapitals
etwas entgegensetzen.
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Praktisch tun sie gemeinsam mit den etablierten Parteien genau das
Gegenteil. Alle vorgeschlagenen notwendigen Veränderungen, d.h.
Verschlechterungen sollen natürlich nur für die Arbeitslosen oder die Jungen
gelten die wieder oder überhaupt erst in den Arbeitsmarkt wollen. Das gilt auch
für die Bezahlung. Wer viel verdient soll seine hohe Bezahlung behalten. Wer
neu anfängt soll für weniger Geld die gleiche Arbeit machen oder sogar für 1
Euro/h arbeiten. Damit sich für die die im Arbeitsmarkt sind möglichst wenig
verändert, soll sich für die die in den Arbeitsmarkt wollen sehr viel
verändern. Diese Politik spaltet die Gesellschaft.