Beitrag im Forum zum BGE auf der WEB-Seite www.elew.de vom 24.1.06.

Der komplette Diskussionsverlauf ist im o.g. Forum nachzulesen.

 

An Kai von der PsgD in Sachsen

 

Ihre Meinungsäußerungen vom 8.12. und 24.12.05

 

Sehr geehrter Kai,

 

Sie sollten nicht darauf hoffen, dass Leute wie Prof. Werner Initiativen wie uns - die PsgD und DAP - irgendwie bewußt unterstützen werden. Schon gar nicht finanziell. Auch andere Sponsoren bzw Geldgeber werden sich nicht bei uns melden. Jedenfalls nicht so lange, wie wir nicht gewisse Erfolge vorweisen können. Ich kann das aus mehreren Gründen sogar verstehen.

 

Ich weiß nicht wie lange Sie sich schon engagieren. Wir, die Gründer der DAP, machen das schon fast 2 Jahre. In dieser Zeit haben wir schon viele kommen und gehen gesehen. Absolute Spinner und gnadenlose Selbstdarsteller. Aber auch Leute, die es sich leichter vorgestellt haben. Die glaubten, dass die Massen zu ihnen strömen würden, wenn sie mit ihren guten Ideen erstmal anfangen. Aber guter Wille reicht oft nicht.

 

Wie sollen Leute wie Prof. Werner wissen, wen es zu unterstützen lohnt. Werdie Motivierten der Bürgergeldliste“ sind, wie Sie schreiben. Wie sollen Leute wie Prof. Werner absichern, dass sie nicht die falschen sponsern. Abgesehen davon, dass  man mit Spenden erst rechnen kann wenn man vom Finanzamt die Berechtigung hat Spendenquittungen auszustellen.

 

Ich gehe aber davon aus, dass das Engagement von Herrn Prof. Werner ernst und ehrlich gemeint ist. Und allein damit ist er uns – PsgD / DAP - schon eine große Hilfe, obwohl er uns sicher noch gar nicht kennt. Er hat das / unser Thema in die Öffentlichkeit und in die aktuelle Diskussion gebracht. Der Hauptpunkt, die Hauptforderung in unserem Wahlprogramm zur Berliner Landtagswahl wird das Bedingungslose Grundeinkommen für alle deutschen Staatsbürger sein. Deshalb werden wir auf alle Fälle von den Aktivitäten des Prof. Werner profitieren.

 

Auch bei Ihren Aktivitäten ist es sicher von Vorteil, wenn Sie sich auf Persönlichkeiten wie Prof. Werner berufen können.

 

Anders sieht es schon aus bei den Machern von z.B. „Freiheit statt Vollbeschäftigung“ oder „Netzwerk Grundeinkommen“. Bei solchen Initiativen scheint es mir nicht so sehr darum zu gehen, das Bedingungslose Grundeinkommen wirklich  einführen zu wollen. Wahrscheinlich glauben deren Protektoren selbst nicht daran, dass das in absehbarer Zeit wirklich praktisch möglich sein könnte. Für sie ist es  wohl mehr ein interessantes Gedankenspiel als eine Notwendigkeit.

 

Für uns ist es aber Bestätigung dafür, dass unsere Gedankengänge doch nicht so falsch sein können, wenn Leute mit entsprechendem wissenschaftlichen Hintergrund  auf genau dieselben Antworten kommen. In aller Bescheidenheit, die Thesen von  „Freiheit statt Vollbeschäftigung“ könnten auch von der DAP sein. Einige dieser Gedanken finden sich schon in unserem ersten Grundsatzprogramm.

 

Für diese Leute, das muß man wohl klar sehen, ist dieses Thema aber auch und vor allem Teil ihrer wissenschaftlichen Arbeit, ihrer beruflichen Karriere und Mittel zum Einkommenserwerb. Dinge die ich überhaupt nicht kritisiere sondern nur feststelle.

 

Für uns, d.h. die Arbeitslosen, die Geringverdiener usw., ist das Bedingungslose Grundeinkommen aber von existentieller Bedeutung. Notwendige gesellschaftliche Veränderungen müssen bzw werden von denen kommen, bei denen die größte Veränderungsnotwendigkeit besteht. Und das sind Leute wie wir. Wenn nicht wir, wer dann?

 

Deswegen scheint mir Ihre Formulierung mit dem Begriff von der Drecksarbeit auch etwas unpassend. Ich weiß natürlich, dass Sie das nicht so wörtlich abwertend gemeint haben. Diese „Drecksarbeit“ ist das wichtigste was z.Z. gemacht werden muß. Denn notwendige Veränderungen werden nicht die bewirken, die im stillen Kämmerchen auf höchsten wissenschaftlichem Niveau über Theorien und Finanzierungsmodelle diskutieren, sondern die, die Wählerstimmen einsammeln.

 

Und dafür wäre mehr Geld sicher sehr hilfreich, es ist aber nicht ausschlaggebend. Man kann Geld durchaus auch durch Einsatz ersetzen.

 

Bei uns beträgt der Mitgliedsbeitrag 1 Euro / Monat. Mehr kann natürlich jeder geben. Wir haben Leute dabei, denen es richtig weh tut, auch nur 2 Euro auf den Tisch zu legen. Wir haben aber auch Leute dabei die noch Arbeit haben oder andere Einkommensquellen. Jeder bringt ein was er kann. Oft bringt es mehr, wenn sich jemand zu regelmäßigen Zettelverteilaktionen meldet, als wenn er seine noch offenen Beiträge für 2 oder 3 Monate bezahlt.

 

Ich bin manchmal erstaunt, wenn uns gesagt wird, ihr habt keine Chance weil ihr nicht genug Geld habt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand wirklich deshalb öfter gewählt wird, weil sein mehr oder weniger schönes Photo an 738 Stellen in der Stadt aufgehängt wurde.

 

Manchmal hören wir auch die Bemerkung, dass man keine Chance hat, wenn man es nicht schafft in die Presse oder in die Medien zu kommen. Was soll das heißen? Wir hören auf uns zu engagieren weil inzwischen klar ist, dass die Medien uns ignorieren. Das kann doch wohl nicht die richtige Schlussfolgerung sein.

 

Wir sind fest entschlossen, weiter fleißig, mit wenig Geld aber viel Einsatz, zu arbeiten. Umso größer wird die Aufmerksamkeit sein, wenn vielleicht eine neue Partei, von der bis dahin noch niemand gehört hat, der nicht ab und zu zum Arbeitsamt oder Jobcenter muß, wenigstens über 1% kommt. Einige Herren bei uns hoffen sogar, dass wir in die Nähe von 5% kommen werden. Da habe ich so meine Zweifel. Zum Anfang würde 1,1% schon reichen.

 

Dann würde uns auch ein Herr Prof. Werner ernst nehmen. Und vielleicht sogar unterstützen. Bis dahin sind wir aber auf uns selbst gestellt.

 

Wir haben aber auch dazu gelernt. Ich mache inzwischen sehr gern Öffentlichkeitsarbeit. Am liebsten Zettelverteilen vor den Jobcentern. Man kommt mit verschiedenen Leuten ins Gespräch. Manchmal ist das sehr unterhaltsam und sogar richtig lustig. Einige von uns haben richtig was dazu gelernt. Ohne Scheu mit anderen zu diskutieren. Frei sprechen. Einige die anfangs richtige Angst hatten führen inzwischen richtige erfolgreiche Gespräche.

 

Aber inzwischen wissen wir auch was nicht geht. Aktionen bei sehr schlechtem Wetter oder bei Minusgraden bringen nicht viel. Schade um den Aufwand.

 

Wir werden wieder richtig aktiv wenn die Sonne scheint und es wärmer wird.

 

Bis dahin lassen wir die anderen, wie z.B. Prof. Werner für uns Öffentlichkeitsarbeit machen.

 

Sollten wir es hier in Berlin schaffen und wenigstens in den Bereich der Wahlkostenerstattung kommen, sollten wir mal praktisch über eine Zusammenarbeit reden. Bis dahin habe ich leider auch nur gute Ratschläge.

 

Ich hoffe, Sie lassen sich nicht entmutigen und bleiben weiter aktiv.

 

Mit freundlichen Grüßen

XXXX

 

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