Sehr
geehrter Herr XXXXXXX,
entschuldigen
Sie bitte, dass ich Ihnen heute erst auf Ihre eMail vom
Wenn man
die beiden Programme, der WASG und der DAP, vergleicht, muß man doch
feststellen, dass wir in wesentlichen Punkten sehr unterschiedliche
Vorstellungen haben. Die Missverständnisse kommen oft dadurch, dass die meisten
die Parteiprogramme nicht wirklich lesen.
In Ihrem
Programm ist alles drin. Drogenpolitik, Fahrradwege, Künstlerförderung usw.
Deshalb hat es für Sie auch seinen Sinn, dass Sie sich um Sitze in den BVV´s
bemüht und einige auch errungen haben. Für Ihre Arbeit dort wünsche ich Ihnen
viel Erfolg, weil ich persönlich und sicher auch andere DAP-Mitglieder, viele
Ihrer Ansichten zu diesen Punkten durchaus teilen.
Aber die
DAP interessiert das alles nicht. Das Thema der DAP ist die „Arbeitslosigkeit“
und Hartz IV und deren Folgen für den Einzelnen und die Gesellschaft. Für diese
Themen sind die BVV`n nicht die richtige Ebene und deshalb wollen wir dort auch
gar nicht hin.
Bei dem
Thema „Arbeitslosigkeit“ und Hartz IV gehen unsere Ansichten aber weit
auseinander.
Sie
verstehen sich offiziell als „Linke“ (wobei ich denke, die WASG - Berlin ist die
Partei des öffentlichen Dienstes). Wir sind der Meinung, „Arbeitslosigkeit“ und
Hartz IV sind ein gesamtgesellschaftliches Problem. Deshalb wird der Kampf
dagegen erst erfolgreich sein, wenn der Protest dagegen aus der „Linken“ - Ecke
geholt wird bzw. mögliche Alternativen nicht per se in die „Linke“ – Ecke
führen.
Ihr
Ziel ist es, möglichst alle Menschen in Arbeit zu bringen. Arbeit als Recht,
aber auch als Pflicht. Arbeit als Quelle und Vorraussetzung von Würde und
Selbstbewusstsein. Dumm nur, dass Sie mit Arbeit Erwerbsarbeit meinen.
Arbeitsplätze als Selbstzweck. Notfalls, dort wo nur 10 Leute gebraucht werden
12, besser 15 beschäftigen. Notfalls eine möglichst große staatliche Bürokratie
organisieren, auch wenn diese der Gesellschaft mehr schadet als nutzt.
Das
wollen wir so nicht.
Gut ist,
dass Sie offensichtlich nicht auf weiteres Wirtschaftswachstum für neue
Arbeitsplätze setzen. Leider wollen inzwischen auch die PDS und sogar die
Grünen die „Arbeitslosigkeit“ durch mehr Wachstum bekämpfen.
Sie wollen
umverteilen. Wir auch.
Sie wollen
umverteilen von „Oben“ nach „Unten“.
Wir wollen
den ständig größer werdenden Reichtum, der dank der ständig steigenden
Produktivität auch mit immer weniger produzierenden Arbeitsplätzen entsteht -
etwas was ja eigentlich sehr gut ist - anders verteilen.
Zielgruppe
Sie wollen
eintreten „für die Beschäftigten im
öffentlichen Dienst und im privaten Sektor, für Migrantinnen und Migranten, für
Frauen, Kinder und Jugendliche und für Erwerbslose“. Diese Reihenfolge ist
weder ein Zufall noch ein Versehen. Nein. Das ist Ihre Rangfolge dafür, was für
Sie wichtig ist. Zuerst kommen die Interessen der Beschäftigten im ö.D. Zuletzt
kommen die Erwerbslosen. Dass Sie anfangs angeben auch „für die Bedürfnisse der in Armut getriebenen und von den Behörden
bedrängten Menschen“ eintreten zu wollen scheint uns nicht sehr glaubhaft
zu sein. Denn diese Behörden sind ja der ö.D., für dessen Interessen Sie sich
vor allem engagieren.
Die
Durchsetzung der Hartz - Gesetze mit all ihren negativen Auswirkungen auf die
davon Betroffenen ist nur möglich, weil die Mitarbeiter im ö.D. tagtäglich ohne
erkennbare Skrupel dafür arbeiten. Teilweise mag man dieses Verhalten mit Angst
um den eigenen Arbeitsplatz erklären und auch entschuldigen. Teilweise kann man
die Interesselosigkeit, mit der massenhaft falsche Berechnungen verschickt und
falsche Entscheidungen vertreten werden, nicht mehr akzeptieren.
„Offenbar zählen zwei Dinge in
unserer Gesellschaft immer noch zu den wichtigsten : einerseits die
vermeintliche Sicherheit viel mehr als die eigene Selbstachtung und
andererseits die Gesetzestreue auch den inhumansten Anforderungen gegenüber.“
Dieses
Zitat ist aus dem Text „Vom Protest zur Revolte?“ von Mag Wompel (siehe Anhang), deren Integrität und
Kompetenz wohl nicht in Frage steht, die sicher auch nicht verdächtigt werden
kann gewerkschaftsfeindlich zu sein oder rechte oder neoliberale Ansichten zu
vertreten.
Wir sehen
viele Dinge der Zustandsbeschreibung gleich wie in diesem Text, ziehen aber
andere Schlussfolgerungen. Der von ihr, Mag Wompel, erhoffte oder geforderte
individuelle Alltagswiderstand mit Zivilcourage und Mut zum persönlichen Risiko
hat keine Chance und kann nur verloren werden.
Genau diese
Erkenntnisse hatten wir schon nach den Großdemos 2003. Genau deshalb haben wir
die DAP gegründet. Keine falschen Erwartungen mehr daran, dass Repräsentanten
und Stellvertreter Verbesserungen erreichen. Keine Hoffnungen mehr auf
solidarisches Verhalten der Arbeitsplatzbesitzer oder gar politische Streiks.
Aber auch keine Kritik und Vorwürfe an die anderen. Sein prägt das Bewusstsein.
Wer nicht bereit ist sich für seine eigenen Interessen zu engagieren sollte
auch nicht die Hilfe anderer erwarten.
In einer
Demokratischen Gesellschaft ist es eine normale Tatsache, dass es
unterschiedliche Interessen gibt und sich deshalb verschiedene
Interessenvertretungen organisieren. Nur wenn man die unterschiedlichen
Interessen klar formuliert kann man sich auf Kompromisse einigen oder über
Zusammenarbeit reden.
Wir fordern
einen fairen Anteil am gesellschaftlichen Reichtum. Mit oder ohne Arbeit.
Deshalb unterstützen wir auch die Forderung nach einem BGE.
Die WASG
will theoretisch die Interessen aller, natürlich außer die der Unternehmer und
die des Großkapitals, vertreten. Wenn man Ihr Programm liest, ist aber ganz
klar, im Entscheidungsfall werden sich die WASG –Vertreter für die Interessen
des ö.D. entscheiden.
Arbeitszeitverkürzung
Auch wir
sind für eine radikale Arbeitszeitverkürzung. Aber Ihre Forderung nach vollem
Lohn- und Personalausgleich (S.12) ist völlig unrealistisch und
kontraproduktiv. Solange Sie an dieser falschen und auch unnötigen Forderung
festhalten, werden Sie an dieser Stelle keinen Schritt weiter kommen.
Wir dagegen
sind für eine solidarische Arbeitszeitverkürzung. D.h. Lohnausgleich nur für
untere und mittlere Einkommen. Bezieher von hohen Einkommen erhalten statt
Gehaltsausgleich mehr Freizeit. Freizeit ist auch ein wertvolles Gut. (Das wäre
auch ein Beitrag für den für die Wirtschaft so wichtigen Geldumlauf)
Der von
Ihnen kritisierte Berliner Anwendungstarifvertrag für den ö.D. geht deshalb
nach unserer Meinung durchaus in die richtige Richtung. Über die Gehaltsgrenzen
kann/muß man diskutieren.
Wichtig
ist noch darauf hinzuweisen, dass wir in diesem Zusammenhang von
Angestelltenverhältnissen reden. D.h. höhere Angestellte und andere besonders
gut verdienende haben natürlich die Möglichkeit, wenn sie meinen unbedingt mehr
Geld verdienen zu wollen oder ihr Leistungsvermögen nicht ausgelastet fühlen,
sich neben ihrem zeitlich begrenzten Angestelltenverhältnis noch als
Selbstständiger, Freiberufler oder Kleinunternehmer zu betätigen.
Bestärkt
in unserer Meinung werden wir auch dadurch, dass sich inzwischen auch andere
unserer Meinung anschließen bzw. anfangen in unsere Richtung zu denken. Z.B.
der Aufruf "Es ist genug für alle da:
Massenarbeitslosigkeit überwinden - Arbeit solidarisch verteilen!" (siehe Anhang)
Öffentlicher Dienst
Was in
Ihrem Programm zum Thema „öffentlicher Dienst“ steht ist für uns völlig
unakzeptabel.
„Alle diese Forderungen sind keine
Sonderrechte oder Privilegien, sondern ergeben sich aus den Rechten der Beschäftigten
des öffentlichen Dienstes.“ (Ihr Programm S.15)
Von welchen
Rechten ist hier die Rede. Sie meinen damit Regelungen, Gesetze und
Tarifverträge. „Rechte“ im Sinne von - mehr Recht als andere - kann es für
Beschäftigte des ö.D. nicht geben.
Der Staat
hat allen seinen Bürgern die gleichen Rechte zu gewähren. Er ist allen seinen
Bürgern gegenüber in der gleichen Pflicht und nicht nur in der besonderen
Pflicht seinen Angestellten gegenüber.
Rechtsgleichheit
aller Bürger ist ein fundamentales Element von Demokratie. Ungleichheit
sollte/muß nur toleriert werden, wenn sie sich zum Nutzen aller auswirkt.
Aber von
Rechtsgleichheit kann ja keine Rede mehr sein.
Es gibt
nicht nur Leute denen noch 2 bis 3 Löhne/Gehälter fehlen wenn sie in die
Arbeitslosigkeit geschickt werden. Nein, es gibt auch Leute die große
Abfindungen erhalten.
Es gibt
nicht nur Leute, die nach dem sie 30 Jahre fleißig gearbeitet und Steuern und
Sozialabgaben bezahlt haben, erst ihre Ersparnisse verbrauchen müssen und von
Sozialdetektiven durchleuchtet werden, bevor sie Alg2 bekommen. Nein, es gibt
auch Leute denen mit sehr guten Vorruhestandsregelungen, Abfindungen oder
gleich mit vollen Gehaltbezügen ihre Unkündbarkeit abgekauft wird. Natürlich
unabhängig von eventuell vorhandenem eigenem Vermögen oder gar Anrechnung von
Partnereinkommen.
Dabei
stehen die schlechter gestellten unter ständigem Rechtfertigungsdruck, während
sich die besser gestellten immer ganz selbstverständlich auf ihre „Rechte“
berufen können.
Solange die
WASG, wie auch die Gewerkschaften, das rechtfertigt, sollte sie nicht immer von
Solidarität reden. Das ist sehr unglaubwürdig.
In unserem
Programm steht deshalb ganz bewusst: „Der
Staat gewährt seinen Angestellten nicht mehr Rechte und Vergünstigungen, als er
jedem Normalbürger sichern kann.“
Durch die
ständige Produktivitätserhöhung wird in den Unternehmen der produzierenden
Wirtschaft die Zahl der notwendigen Arbeitsplätze immer weiter abnehmen. Man
kann es nicht oft genug sagen, das ist etwas Gutes.
Deshalb
hat, nach unserer Meinung, der Staat die Pflicht, die Arbeitsplätze, die im
öffentlichen Sektor benötigt werden, möglichst gerecht auf die ganze
Bevölkerung zu verteilen.
Deshalb
steht in unserem Wahlprogramm die Forderung nach Jobrotation im öffentlichen
Dienst. Diese Forderung meinen wir wirklich ernst und halten sie auch für
realistisch.
Warum sind
die einen immer „drin“ und die anderen immer „draußen“?
An anderer
Stelle in Ihrem Programm (S.16) steht sinngemäß, dass, wenn die Mitarbeiter im
ö.D. ihren besonderen Kündigungsschutz verlieren würden, dies zu einer
fortschreitenden Entfremdung des ö.D. von der Gesellschaft führen würde.
Wir denken,
genau das Gegenteil ist der Fall. Unter den jetzigen Bedingungen entwickelt
sich der ö.D. zu einer Art „Staat im Staate“ für den die sich verändernden
Bedingungen in der übrigen Gesellschaft nicht gelten. Die Jobrotation wäre ein
Mittel zur Demokratisierung des ö.D. Sie würde auch durch mehr Transparenz zum
besseren Verständnis der Bürger für die Funktion und Notwendigkeiten der
öffentlichen Verwaltung beitragen.
Jobrotation
im ö.D. geht natürlich nicht überall. Z.B. nicht bei der Polizei, der Justiz
usw. Aber in vielen öffentlichen Verwaltungen, z.B. auch in den Jobcentern und
Arbeitsagenturen. Damit die „da drin“ mal merken wovon die „da draußen“
eigentlich reden.
Wenn zur
Rotation in den Jobcentern, alle Alg2 Bezieher in der Berechnung und den
notwendigen Vorschriften geschult werden, können sicher bei den Sozialgerichten
viele Kapazitäten eingespart werden. Rotierende Mitarbeiter, die keine Angst
mehr haben müssen, dass sie vorh. Privilegien verlieren könnten, weil sie ja
keine mehr haben, würden vielleicht auch mal die Zivilcourage aufbringen,
nichtakzeptable Zumutungen zu verweigern. Denn sie wissen, dass es sie auch mal
treffen wird. Vielleicht kommt dann das von vielen erhoffte solidarische
Verhalten der Bürger untereinander.
Es ist
schon erstaunlich, dass Sie in Ihrem Programm ganz selbstverständlich davon ausgehen,
dass man von den Mitarbeitern des ö.D.
nur dann solidarisches Verhalten erwarten kann, wenn ihnen vorher ihre
bisherigen Privilegien zugesichert werden.
Eine andere
Möglichkeit zur rechtlichen Gleichstellung, speziell hier in Berlin, wäre die Aufnahme
aller Langzeitarbeitslosen in den Stellenpool des ö.D. Weg mit den 1-Euro-Jobs
und ABM´s, alle zu gleichen Bedingungen in den Stellenpool.
Ihre
Absicht 10.000 neue Arbeitsplätze durch ein öffentliches Beschäftigungsprogramm
schaffen zu wollen ist ja sehr löblich. Aber was sind 10.000 neue Arbeitsplätze
bei mehr als 300.000 Arbeitsuchenden in Berlin. Damit machen Sie 10.000
Menschen glücklich. Aber am gesell. Problem der „Arbeitslosigkeit“ und der
Situation der verbleibenden ca. 290.000 ändern Sie damit gar nichts.
Das sind
die bekannten Versuche der kleinen Änderungen am vorh. falschem System. Der
Versuch, das vorh. System zu verbessern ohne es zu verändern.
Wir sind
der Meinung, es müssen grundsätzliche Änderungen her.
Enteignungen als Mittel um
Arbeitsplätze zu verteidigen?
„Hier sehen wir das Land Berlin in
der Pflicht, einen Erhalt der Arbeits- und Ausbildungsplätze durch die
Überführung solcher Werke in öffentliches Eigentum zu sichern (§ 23 Berliner
Verfassung). (Ihr
Programm S.13)
Wenn man
sich den § 23 ansieht, sind damit Enteignungen gemeint. Wobei ich persönlich
mich sehr wundere, dass so etwas wirklich in der Berliner Verfassung steht. Da
das kaum jemand weiß stört es offensichtlich niemanden. Bei einigen WASG -
Mitgliedern muß man aber wohl befürchten, dass sie das ernst meinen und auch
durchführen wollen.
Da ahnt man
als „Nichtlinker“, wo das Problem zwischen der WASG Berlin und der PDS liegt.
Die PDS (meist Ost-Linke) hat aus Erfahrungen gelernt. Die WASG (meist
West-Linke) verfolgt noch ihre unrealistischen und überholten Träume.
Auch wir
sind der Meinung, dass der Reichtum (zumindest das Geldvermögen), der sich
„oben“ in ungerechtfertigter Weise sammelt abgeschöpft werden sollte/müsste.
Aber Enteignungen sind dazu der falsche Weg. Wer die ungerechtfertigte
Reichtumsbildung „oben“ im gesamtgesellschaftlichen Interesse beseitigen will
muß den Reichtum durch geeignete Mittel (Steuern, Wertschöpfungsabgabe,
gesetzliche Regelungen o.ä.) abschöpfen und das vorh. Zinseszinssystem bekämpfen
und nicht die Unternehmer.
In dem Sie
die Unternehmer bekämpfen, verhindern Sie, dass überhaupt erst Reichtum
entsteht, den Sie dann abschöpfen und gerecht verteilen können. Deshalb ist die
DAP grundsätzlich nicht unternehmerfeindlich.
Auch hier
gilt der Satz: Ungleichheit sollte/muß dort toleriert werden, wo sie sich zum
Nutzen aller auswirkt.
Viele
Unternehmer leisten mehr für diese Gesellschaft als viele
Gewerkschaftsfunktionäre die nur an die Interessen ihrer Beitragszahler denken.
Was wollen
Sie eigentlich machen wenn Sie die betreffenden Werke in öffentliches Eigentum
überführt haben? Die Arbeitsplätze sichern in dem Sie diese mit Subventionen
aus Steuermitteln erhalten und dadurch anderen, gesunden Unternehmen unfaire
Konkurrenz machen? Oder sie nur bei der Versorgung mit öffentlichen Aufträgen
bevorzugen? Wollen Sie auch die ALLIANZ und die Deutsche Bank verstaatlichen um
den auch dort geplanten Stellenabbau zu verhindern? Wo soll da die Grenze sein?
Nein, gute
Unternehmer sind wichtig, davon können wir gar nicht genug haben. Gute
Unternehmer sind Unternehmer die Arbeitsplätze und „Reichtum“ schaffen der dann
„gerecht“ verteilt werden kann. Dafür gönnen wir ihnen auch einen angemessenen
höheren Lebensstandart oder gar „Luxus“. Man muß nur darauf achten, dass
Ausbeutern ohne Moral und raffgierigen Managern ihre Grenzen gezeigt werden.
Haushalt und Finanzen
Nach Ihrem
Programm lehnt die WASG die Konsolidierung des Haushalts als oberstes
Politikziel ab. (S.48)
Unbestritten
ist doch sicher auch bei Ihnen, dass Staats- bzw. Stadtschulden ein
wesentlicher Teil der Umverteilung von „unten“ nach „oben“ sind. Wenn Berlin
jährlich 2,5 Milliarden Zinsen bezahlt, dann sind das 2,5 Milliarden
Steuergelder oder Gelder die den Berlinern durch Leistungseinschränkung
abgenommen wurden, um an vermögende Leute, die ihr Geld angelegt haben,
verteilt zu werden.
Ihr Hinweis
auf die vorh. riesigen privaten Geldvermögen und darauf, dass durch die letzte
und nächste schon geplante Unternehmenssteuerreform weiter falsch verteilt wird
ist richtig.
Aber warum
ist das so. Ganz einfach. Weil die Politiker und Parteien, die dafür
verantwortlich sind, immer wieder gewählt werden.
Dafür, dass
das auch so bleibt, wird von den etablierten Politikern ganz bewusst eine
Politik von „teile und herrsche“ betrieben. Es wird genau darauf geachtet, dass
es immer eine ausreichende Mehrheit in der Bevölkerung gibt, denen es relativ
gut geht und die noch einiges zu verlieren haben. Ihr Programm und die
Gewerkschaften unterstützen praktisch diese Politik auch noch.
Gewerkschaften
Dadurch,
dass Sie (die WASG mit den Gewerkschaften) versuchen, für die Leute die noch
drin sind im System der unbefristeten, sozialversicherungspflichtigen durch
Kündigungsschutz gesicherten Arbeitsverhältnisse, all diese Errungenschaften zu
sichern, spalten Sie die Gesellschaft und schaffen selbst unter den noch
Arbeitsplatzbesitzern eine Mehr Klassengesellschaft. Denn genau diese Leute,
die noch drin sind im System, wählen, aus ihrer Sicht völlig verständlich,
immer wieder die etablierten Parteien. Damit erhoffen sie sich, dass für sie
möglichst alles so bleibt wie es ist.
Was in dem
Text „Die Lebenslüge der SPD“ (siehe Anhang) beschrieben
wird, gilt nach unserer Meinung auch, sogar vor allem, für die Gewerkschaften.
Besser könnte ich es nicht beschreiben.
Ist die
ständige, wenn auch größtenteils berechtigte, Kritik an den Unternehmern nicht
auch eine Ablenkung von der Tatsache, dass man selbst auch zu keinerlei
solidarischem Verhalten bereit ist?
Es gibt
aber auch noch andere Wahrheiten. Man kann nicht immer mehr verdienen wollen,
aber für alles immer weniger bezahlen wollen. Man kann nicht gegen die
Verlagerung von Produktionen nach Polen protestieren, dann aber selbst nach
Polen fahren um dort billig einzukaufen. Zu diesem Thema gäbe es noch einiges
zu sagen. Z.B., jeder Kunde beeinflusst auch durch sein Kaufverhalten die
wirtschaftlichen Bedingungen. Das Motto „Geiz ist geil“ ist keine gute
Grundlage für eine gesunde Wirtschaft.
Das
verlogenste und mit ausländerfeindlichste ist die Kampagne der Gewerkschaften
gegen die angebliche ständige Verlagerung von „deutschen“ Arbeitsplätzen ins
Ausland.
Wir meinen,
die notwendigen anderen Mehrheiten, die man braucht um den gesell. Reichtum
anders zu verteilen, wird man nur dadurch erhalten, dass man erst mal mehr
„horizontale Gerechtigkeit“ unter denen schafft, die nicht von vorh.
Geldvermögen leben können, d.h. zu den „Reichen“ gehören.
Außerparlamentarische Opposition
Ohne gesellschaftlichen Aufbruch
gegen Sozialabbau, …..wird eine andere Politik nicht möglich sein. Wir setzen
auf Proteste, Demonstrationen und Streiks als Mittel von sozialen Bewegungen, allen
voran der Gewerkschaften, um gegen die Interessen der Kapitalbesitzer die
Bedürfnisse von Beschäftigten, Erwerbslosen, ……..zu verteidigen. (Ihr Programm S.6)
Wir halten
diesen Weg, wie schon geschrieben, für gescheitert.
Sicher
stellen auch Sie die vorh. parlamentarische Demokratie nicht in Frage. Das
heißt aber auch, anzuerkennen, Politik wird in den Parlamenten entschieden und
nicht auf der Straße.
An der
letzten Großdemonstration haben sich deutschlandweit max. 220.000 Menschen
beteiligt.
Bei der
letzten Landtagswahl haben allein in Berlin ca. 424.000 Leute die SPD gewählt
und ca. 181.000 die Grünen. D.h. genau die Parteien die Hartz IV und die letzte
große Unternehmenssteuer(erlassungs)reform durchgesetzt haben, wurden wieder
die Wahlsieger. Die SPD wurde relativer Sieger. Die Grünen haben als einzige
etablierte Partei sogar absolut dazu gewonnen.
Der Appell
an die Solidarität der noch Arbeitsplatzbesitzer scheint schon deshalb ziemlich
sinnlos, weil man wohl vermuten muß, dass viele, die auf den Demonstrationen
mit Gewerkschaftsfahnen rumlaufen, bei den Wahlen (und nur die sind
entscheidend) dann wieder die etablierten Parteien, besonders die SPD wählen.
Dadurch
fühlen sich die etablierten Parteien mit Recht wieder bestätigt und bestärkt. Der
SPD wird dadurch vorgeführt, dass offensichtlich nur ein kleinerer Teil ihrer
Wähler sie zu einer Korrektur ihrer Politik veranlassen will. So gesehen sind
diese Demos sogar kontraproduktiv.
Es bringt
nichts diese Tatsache immer wieder zu beklagen, man muß sie endlich mal zur
Kenntnis nehmen.
Zusammenfassung
„Sonderrechte“
für ausgewählte Gruppen oder gar Enteignungen, wie Sie das wollen, sind der
falsche Weg.
Wir meinen,
der richtige Weg sind: solidarische Arbeitsteilung, Jobrotation im ö.D., bedingungsloses
Grundeinkommen und als Fernziel die Abschaffung des Zinseszinssystems.
Deshalb
wird sich die DAP nicht der WASG anschließen. Einzelne Mitglieder der DAP, die
in vielen Punkten näher bei der WASG sind, können gerne wechseln.
Es wird
auch kaum andere Zusammenschlüsse von Parteien geben. Demokratie heißt, dass
unterschiedliche Meinungen gegeneinander gestellt werden. Die Zukunft wird
zeigen, welche Meinungen sich durchsetzen. Sollten wir unsere Meinungen nicht
durchsetzen können, werden wir das ohne Groll akzeptieren.
Aber,
meines Wissens, haben alle Versuche, die, durchaus mit den besten Absichten,
mit Enteignungen begannen als Diktaturen geendet. Unter anderem deshalb, weil
man Unrecht nicht durch Unrecht bekämpfen kann.
Mit
freundlichen Grüßen