Epilog zur Wahl
Positionsbestimmung/-klarstellung
Da uns mehrere Nachfragen zu unserer
Nichtteilnahme an der Landtagswahl in Brandenburg erreicht haben, möchten wir
hiermit eine Erklärung dazu abgeben.
Es ist uns
leider nicht gelungen die zur Wahlteilnahme notwendigen 2000
Unterstützerunterschriften zusammen zu bekommen. Dabei war nicht das Sammeln
der Unterschriften das Problem, sondern die „Bescheinigung des Wahlrechts“ für
die gesammelten Unterschriften durch die zuständigen Meldeämter.
Ca. 25%, d.
h. über 450, der gesammelten Unterschriften stammte von Unterstützern aus
kleinen Orten ohne eigenes Meldeamt bzw. mit Meldeämtern für mehrere Orte. Da
in Brandenburg – anders als in Berlin – die einzelnen Meldeämter nicht
miteinander vernetzt sind, hätten wir viele Meldeämter 2x einzeln anfahren
müssen um die notwendigen Bescheinigungen zu bekommen. Dazu hätten wir noch
einmal ca. 300,00 Euro für Fahrkosten gebraucht, die wir nicht mehr aufbringen
konnten.
Trotzdem
sind wir der Meinung, daß unsere Wahlteilnahme nicht am fehlenden Geld
gescheitert ist, sondern daran, daß wir in den größeren Städten nicht genug
Unterschriften sammeln konnten. Wahrscheinlich ist der Leidensdruck bei unserer
Zielgruppe noch nicht groß genug. Das wird sich aber mit den Auswirkungen des
Wahlergebnisses „schwarz/gelb“ im Bund eventuell ändern.
Vielleicht
erkennen viele Arbeitslose (AL) und Geringverdiener (GV) durch die Politik der
neuen Regierung zukünftig doch endlich, daß es grundlegende Änderungen geben
muß. Ein weiter so, nur ein bißchen besser, kann es nicht geben. Aber Änderungen
werden immer von denen kommen, bei denen der größte Änderungsbedarf ist. Und
das sind in dieser Gesellschaft die AL und GV.
Wir halten
die Teilnahme an demokratischen Wahlen weiterhin für eine Erfolg versprechende
Möglichkeit um grundlegende Änderungen herbei zu führen.
Jetzt
werden schon wieder Demonstrationen angedroht. Aber man kann gegen eine
demokratisch gewählte Regierung nicht „andemonstrieren“. Die kann man nur
abwählen.
Wenn, wie
bei der letzten bundesweiten Demo, ca. 2000 Demonstranten gegen die Politik der
neuen Regierung (die sich auf ca. 21 Mio. Wähler stützt) protestieren, dann
zeigt dies vor allem die Schwäche dieser Opposition. Absurd wird dieser Protest
auch dadurch, daß viele der Demonstranten bei den nächsten Wahlen wieder die
Parteien wählen werden, gegen deren Politik sie zwischen den Wahlen
demonstrieren.
Arbeitsplätze
kann man nicht gegen jede ökonomische und ökologische Vernunft
herbeidemonstrieren. Die vielen bisherigen sinnlosen Demos haben bei vielen AL
und GV nur zur Resignation und Demotivation geführt.
Die
offizielle „Soziale Bewegung“ die von Linksextremen und Gewerkschaften
dominiert und finanziert wird, wird keine vernünftigen Veränderungen erreichen.
Speziell die Gewerkschaften stehen schon lange nicht mehr für machbare
Alternativen, sondern sind inzwischen Teil des Problems. Bei ihnen geht es vor
allem um die Besitzstandswahrung für einen immer kleiner werdenden Teil der
Arbeitnehmer. Um die Durchsetzung von Gruppenegoismen zu Lasten der
Schwächsten, der AL und GV. Die Gewerkschaften vertreten nur noch ca. 20% der
Arbeitnehmer. Deshalb haben sie keinen Anspruch mehr darauf und keine
Berechtigung mehr dafür, für alle Erwerbsfähigen zu sprechen. Ihr politischer
Einfluß auf die Gesamtgesellschaft steht in keinem Verhältnis mehr zu ihrem
tatsächlichem Rückhalt in der Bevölkerung.
Das Problem
der AL und GV ist nicht Herr Ackermann und die Deutsche Bank, sondern
vordergründig Herr Bsirske und die Gewerkschaft ver.di. Vielleicht wissen die
Politiker wirklich nicht, was ihre HartzIV – Gesetze für viele Betroffene
praktisch bedeuten. Aber ver.di weiß es. Ver.di fordert mit Recht faire Löhne
und Arbeitsbedingungen für ihre Mitglieder. Aber ver.di – Mitglieder sind es,
die in den JC und AA die AL und GV mit den miesesten und schändlichsten
Methoden in Dumpinglöhne und unzumutbare Arbeitsbedingungen zwingen.
All das
Unrecht, all die Schikanen und die Willkür, die durch die Ämter ausgeführt
werden, - die oft auch weit über das im Gesetz legitimierte Maß hinausgehen -
gehen zum großen Teil auf das Konto von ver.di. In deutschen Behörden geschieht
nichts, was nicht von ver.di akzeptiert wird.
Wenn die
Gewerkschaften heute von Solidarität sprechen meinen sie oft die Solidarität der
Schwächsten mit den Stärkeren. Vielleicht könnte ver.di sich ja auch mal
solidarisch mit den AL und GV zeigen, in dem sie ihre Mitglieder dazu aufruft,
sich diesem Unrechtssystem zu verweigern.
Mit dem
Zwang in Dumpinglöhne und unzumutbare Beschäftigungsverhältnisse schädigen die
Jobcenter und Arbeitsagenturen auch seriöse Unternehmer und zerstören noch
funktionierende Arbeitsmarktstrukturen.
Die
wichtigste Vorraussetzung dafür, die vorhandene Situation zu verändern, ist
wahrscheinlich die Abschaffung des geltenden Kündigungsschutzes.
In einer
Gesellschaft, in der es nicht mehr Normalarbeitsverhältnisse im alten Sinne für
alle geben wird, führt der vorhandene Kündigungsschutz automatisch zu
Arbeitnehmern 1. und 2. Klasse. Wir haben schon lange keine Leistungsgesellschaft
mehr. Entscheidend ist nicht was man leistet oder kann, sondern wo man – mehr
oder weniger zufällig - beschäftigt ist und welchen Vertrag bzw. Tarif man hat.
Um die
Illusion der Unkündbarkeit für einen immer kleiner werdenden Teil der
Arbeitnehmer aufrecht zu erhalten, wird die Deklassierung zu Arbeitnehmern
2.Klasse, zu Zeit- und Leiharbeiter, für einen immer größer werdenden Teil der
Arbeitnehmer akzeptiert. Wer es inzwischen als normal empfindet, daß der
Kollege, der neben ihm als Leiharbeiter zu viel schlechteren Lohn- und
Arbeitsbedingungen, die gleiche Arbeit macht - und natürlich zuerst entlassen
wird -, sollte sich nicht über den Egoismus anderer aufregen.
Je länger
die Gewerkschaften an einer Regelung wie den geltenden Kündigungsschutz
festhalten, die nur noch einer immer kleiner werdenden Gruppe wirklich nutzt,
je wahrscheinlicher wird es, daß die Gewerkschaften mit dieser Gruppe selbst
immer kleiner und unwichtiger werden. Denn, wie die Erfahrung seit langem
zeigt, führt der gesetzliche Kündigungsschutz ja nicht zum Schutz vor
Kündigungen. Jedenfalls nicht für alle.
Aber in
einem Rechtsstaat sollte gelten: Gleiches Recht für alle.
Schutzrechte
sind nur richtig und gerecht, wenn sie für alle gelten und möglich sind bzw.
für alle durchgesetzt werden können. Schutzrechte für wenige, zu Lasten der
vielen anderen, verkehren sich ins Gegenteil und führen zu Ungerechtigkeit.
Die
Abschaffung des geltenden Kündigungsschutzes würde automatisch auch zu einer
besseren, gerechteren Verteilung der vorhandenen notwendigen bzw. sinnvollen
Arbeit führen. Denn bei den Arbeitgebern führt der Kündigungsschutz - mit
Zustimmung, teilweise auch auf Wunsch der Stammbelegschaften - dazu, daß sie
eher die vorhandene Belegschaft Überstunden machen lassen, als zusätzlich
Arbeitnehmer einzustellen.
Aber die
Besitzer der vorhandenen notwendigen und sinnvollen bzw. Mehrwert schaffenden
Arbeitsplätze haben nur zwei Möglichkeiten. Entweder sie geben Arbeit ab, oder
sie arbeiten für die anderen mit.
Jeder erwartet
Solidarität, aber keiner ist bereit Solidarität zu geben. Erst wenn
Gerechtigkeit und Ausgleich unter allen Gruppen der Arbeitnehmer (d.h.
Stammbelegschaften, Zeit- und Leiharbeiter, AL, GV, aber auch Praktikanten
usw.) gegeben ist, wenn Chancengleichheit für alle herrscht, dann kann man
vielleicht gemeinsam und solidarisch Forderungen an andere stellen.
Heute
versprechen die Regierung und die etablierten Parteien wieder, daß sie
Arbeitsplätze, gar Vollbeschäftigung durch „Wachstum“ erzeugen wollen und
werden. Wenn das wirklich möglich wäre, heißt die schlichte Frage doch, warum
haben sie dieses Wunder nicht schon in der Vergangenheit mal vorgeführt. Es gab
ja schon Zeiten mit ansehnlichem Wachstum. Bis auf DIE Linke haben ja alle
schon mal regiert.
Nein, das
versprochene bzw. in Aussicht gestellte „ewige Wachstum“ wird es nicht geben.
Auch die davon erhofften Arbeitsplätze nicht. Wer will, daß sich die
Verhältnisse dieser Realität anpassen, muß selbst aktiv werden.
Mehr als
Demokratie geht nicht. Es gibt durchaus auch Argumente gegen bzw. Nachteile
durch die vorhandene Art der Demokratie durch Wahlen. Aber wir kennen keine
besseren, praktikablen Alternativen dazu.
Deshalb
werden wir es vielleicht noch mal versuchen an Wahlen teilzunehmen. Vielleicht
werden es auch andere, mit der gleichen oder einer ähnlichen Sicht der Dinge,
tun.
Wir sind
aber immer noch sicher, die Zeit läuft für uns. Die Verhältnisse entwickeln
sich in unsere Richtung.