Briefwechsel mit einem Herrn von der
WASG
eMail an die DAP (neudenken@aol.com) vom
Hallo, muss man denn immer gleich das Fahrrad neu erfinden?
Die Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) setzt sich
gerade für die auf Eurem Flyer angesprochenen Themen ein und ist bereits gut
organisiert.
Nehmt doch mal mit denen Kontakt auf, bevor wieder ein Kampf um die
"beste"
linke Partei, ich nehme an, dass Ihr das sein wollt, entbrennt...
Gruß,
Peter
eMail an die DAP (neudenken@aol.com) vom
Hallo, und
hier die E- Mail Adressen: www.wasg-berlin.de und
www.wahlalternative-asg.de
Gruß,
Peter
Antwort mit eMail vom
Hallo Peter,
vielen Dank für Ihre eMails vom 4. und 5.5. Sie haben offensichtlich erst nur
einen unserer Handzettel aber noch nicht unsere WEB-Seite bzw unser Programm
gelesen. Sonst wüssten Sie, warum wir nicht bei der WASG (die wir natürlich
kennen) sind. In unserem Programm haben wir die Punkte "Unsere Meinung zu
den Linken" und "Unsere Meinung zu den Gewerkschaften". Da
können Sie lesen, dass wir nichts gegen die Linken bzw gegen die Gewerkschaften
haben. Aber wir erhoffen uns als Arbeitslose nichts mehr von denen.
Was uns von der WASG unterscheidet sind inhaltliche Punkte. Die Gewerkschaften
und die SPD (mit ihrer alten Politik) waren in den letzten Jahrzehnten in der
BRD eine wichtige und einflussreiche Kraft. Beide können nicht sagen,
dass sie an den herrschenden Zuständen unschuldig sind. Deshalb kann ein
"weiter so" nicht richtig sein.
Die linke Kapitalismuskritik ist ja nicht falsch, abgesehen davon, dass uns
noch kein Linker wirklich sagen konnte, was seine Alternative sein soll. Die
Kritik an den Unternehmern scheint uns so pauschal wie sie von den Linken kommt
nicht sehr hilfreich. Wer die hohen Gehälter von Schrempp und Ackermann, sowie
die hohen Abfindungen von z.B. Esser kritisiert, vergisst, dass diese Herren
keine Unternehmer sondern überbezahlte Angestellte von Aktien- bzw
Kapitalgesellschaften sind. Ich persönlich sage immer, wer Esser sagt, der muß
auch Zwickel sagen. Damit sind wir bei einem weiteren Punkt den wir bei den
Gewerkschaften und der SPD kritisieren. Deren offizielle Kritik richtet sich
gegen die Wirtschaftspolitik der Großkonzerne, aber ihre Funktionäre sitzen in
deren Aufsichtsräten und machen Lobbyarbeit für sie. In den letzten Jahren
wurden die Großkonzerne, die in Deutschland nur ca. 20% der Arbeitsplätze
stellen, ständig weiter entlastet, während dem Klein- und Mittelstand, der ca.
80% der Arbeitsplätze stellt, das Leben schwer gemacht wurde und er mit immer
mehr Bürokratie erstickt wird.
Wichtig scheint uns auch folgender Punkt aus unserem Programm zu der Rolle der
Gewerkschaften: Besonders das Prinzip der prozentualen tariflichen Lohn- und
Gehaltserhöhungen, von den Gewerkschaften seit Jahrzehnten praktiziert, wirkt
sich in der heutigen Arbeitsmarktsituation sehr negativ aus. Dadurch haben die
Arbeitnehmer mit höheren Einkommen immer viel dazu bekommen, aber die
Arbeitnehmer, die sowieso schon wenig verdienten, entsprechend weniger Zuwachs
in ihrer Lohntüte erhalten. D.h. die Differenz zwischen den Einkommen wurde
immer größer, obwohl der Unterschied in der Qualität und dem Ergebnis der
Arbeit immer gleich blieb.
Wenn die Gewerkschaften immer noch Arbeitszeitverkürzung bei vollem
Lohnausgleich fordern ist das unter diesen Umständen unglaubwürdig, weil nicht
realistisch. Abgesehen davon, dass die Gewerkschaften inzwischen praktisch das
Gegenteil machen, nämlich Arbeitszeitverlängerung ohne Lohnausgleich. Und das
voll zum Nachteil der Arbeitslosen.
Wir fordern Arbeitszeitverkürzung mit Lohnausgleich nur für die Arbeitnehmer
mit niedrigen Einkommen, für die, die durch die Gewerkschaftspolitik der
letzten Jahrzehnte benachteiligt wurden. Arbeitnehmer mit guten Löhnen und
Gehältern, die, die bisher von der Gewerkschaftspolitik besonders profitierten,
können bei einer Arbeitszeitverkürzung die entsprechende Bruttogehaltskürzung
sicher verkraften. Sie werden merken, dass sie durch eine Arbeitszeitverkürzung
ihre Lebensqualität durch mehr Freizeit erhöhen können.
Ein Punkt scheint mir aber noch ganz wichtig zu der Frage, warum die Linken
d.h. auch die WASG keinen entscheidenden Erfolg haben werden.
Sie gehen davon aus, dass es in der Bevölkerung eine Mehrheit geben müsste, die
gegen die Nachteile des Kapitalistischen Systems ist. Das scheint uns aber der
entscheidende Irrtum. Von den etablierten Parteien wird bewusst eine Politik
von "teile und herrsche" gemacht. Es gibt nicht nur das untere
Drittel der Benachteiligten, der Arbeitslosen, der Alg2-Bezieher und der sozial
Schwachen. Etwa Zwei-Drittel der Bevölkerung geht es unter den vorhandenen
Bedingungen relativ gut. Auch denen, und das sind nicht wenige, die von und
durch die Arbeitslosigkeit der anderen leben. Und die alle haben, aus ihrer
Sicht durchaus verständlich, kein wirkliches Interesse daran etwas an diesem
System zu ändern. Schröder hat sich nicht mit Gewalt ins Kanzleramt geputscht.
Er wurde demokratisch gewählt.
Deshalb meinen wir, dass nur die Betroffenen selbst ein wirkliches Interesse
und die Pflicht haben an den bestehenden Verhältnissen etwas zu ändern.
Da es sehr schwierig ist in schriftlicher Form eine Diskussion zu führen,
lade ich Sie ein, zu einem unserer Treffen zu kommen. Da können Sie gerne Ihre
Sicht der Dinge vortragen. Wenn aus dem Kreis der Anwesenden jemand der Meinung
sein sollte, dass Ihre Argumente ihn mehr überzeugen, haben wir nichts dagegen,
wenn er sich Ihnen anschließen würde.
Mit freundlichen Grüßen
XXXXXXXXXXXX
P.S. Viele Mitarbeiter auf den Arbeitsämtern, in den Jobcentern, bei den
Beschäftigungsträgern für 1-Euro-Jobber usw sind Gewerkschafts-, bzw
Verdi-Mitglieder. Wo ist der Aufruf von Verdi an ihre Mitglieder, mit den
Arbeitslosen und Alg2-Empfängern fair und korrekt umzugehen? Ihnen nicht mit
schlampig bearbeiteten Anträgen und massenhaften falschen Entscheiden das Leben
noch schwerer zu machen? Sie nicht mit sinnlosen Bewerbungsnachweisen zu
schikanieren? Familien ohne Geld hängen zu lassen so dass diese um ihre
Wohnungen fürchten müssen?
Wenn sich Verdi um die Rechte von normalen Arbeitslosen genau so intensiv
kümmern würde wie um die Interessen der Beschäftigten im
"Stellenpool", die auch nur Arbeitslose sind, dann würden vielleicht
mehr Arbeitslose die Gewerkschaften auch als ihre Interessenvertreter ansehen.
Zurzeit sind die Gewerkschaften offensichtlich mehr mit der Erhaltung der
Privilegiengesellschaft, die sie mit hervorgebracht haben, beschäftigt, als mit
der Veränderung der vorhandenen Missstände.